Neues „Investmentsteuerreformgesetz“

Welche Veränderungen gelten für den Anleger ab dem 1. Januar 2018?

Mit einem Anlagevolumen von 978 Mrd. Euro gehören Investmentfonds zu den beliebtesten Anlageformen in Deutschland. Ab dem 1. Januar 2018 tritt hierzu ein neues Gesetz, das „Investmentsteuerreformgesetz“, in Kraft. Für Millionen Deutsche bewirken die neuen Regeln einen kompletten Systemwechsel bei der Besteuerung von Erträgen aus der Anlage in Investmentfonds. Aber was bedeuten diese für den privaten Anleger? Nach unserem Experten-Vortrag mit Herrn Steuerberater Dr. Udo Delp im Bergischen Löwen im September möchten wir Ihnen hiermit eine kurze Zusammenfassung bieten.

Direkte Besteuerung, Teilfreistellung & Vorabpauschale

Bisher erfolgte die Versteuerung von Fondserträgen ausschließlich beim Anleger. Ab 2018 zahlt auch der Fonds eine Steuer. Denn mit dem neuen Gesetz muss ein Investmentfonds nicht nur auf inländische Erträge aus Dividenden, sondern auch auf Erträge aus Mieten und Immobilienverkäufen 15% Steuern zahlen. Des Weiteren werden die im Ausland abgeführten Quellensteuern auf der Ebene des Anlegers nicht mehr auf die Abgeltungssteuer angerechnet.

Im Gegenzug dazu hat der Gesetzgeber die sogenannte „Teilfreistellung“ eingeführt, um die zuvor genannten Veränderungen auszugleichen. Diese Teilfreistellung führt dazu, dass die zu versteuernden Erträge herabgesetzt werden. Bei einem Fonds mit niedrigem Aktienanteil, wie beispielsweise Mischfonds, kommt es zu einer Kürzung von 15%. Hingegen reduzieren sich bei einem Fonds mit hohem Aktienanteil, dazu zählen zum Beispiel Aktienfonds, die zu versteuernden Erträge um 30%. Die Minderung bei Immobilienfonds ist vom Anlageschwerpunkt abhängig und beträgt 60 oder 80%.

Im Grunde sollten sich die positiven und negativen Effekte der Steuerreform ausgleichen und für den privaten Fondsanleger zu keiner höheren Steuerlast führen. Anleger, die ihrer Depotbank einen Freistellungsauftrag erteilt haben, waren bisher von den Steuern befreit. Laut dem neuen Gesetz profitieren diese auch nicht von der Entlastung durch die Teilfreistellung, weil ihre Fondserträge demnächst stärker besteuert werden.

Weiter ändert sich mit der neuen Investmentsteuerreform auch die Vorgehensweise zur Ermittlung der Höhe von steuerpflichtigen Erträgen auf Ebene des Anlegers. Der Steuersatz der Abgeltungssteuer aber bleibt unverändert bei 25% zuzüglich des Solidaritätszuschlags und eventuell der Kirchensteuer. Da die Staatskasse bereits während der Haltedauer des Fonds eine Steuerzahlung erhalten möchte, wurde die sogenannte „Vorabpauschale“ eingeführt. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um eine Vorabzahlung auf die bei Verkauf zu entrichtende Steuer. Diese wird am Anfang eines jeden Kalenderjahres für das abgelaufene Jahr ermittelt. Für die Höhe dieser Pauschale ist nicht die Wertentwicklung des Fonds von Bedeutung, sondern die Verzinsung deutscher Staatsanleihen. Die Vorabpauschale wird regelmäßig von der Bundesregierung veröffentlicht und liegt zurzeit bei ca. 0,8%. Am 1. Januar 2019 wird sie erstmalig rückwirkend für 2018 von der depotführenden Bank erhoben und abgeführt.

Wegfall der Steuerfreiheit

Mit der Einführung des Investmentsteuerreformgesetzes kommt es zum Wegfall der Steuerfreiheit von sogenannten Altbeständen. Denn für Anschaffungen von Wertpapieren vor dem 1. Januar 2009 mussten Anleger beim Verkauf keine Steuern auf Kursgewinne zahlen. Diese Steuerfreiheit entfällt nun wie folgt. Alle bis zum 31. Dezember 2017 erzielten Kursgewinne bleiben zwar steuerfrei, jedoch alle nach dem 31. Dezember 2017 erzielten Kursgewinne sind bei einem späteren Verkauf  steuerpflichtig. Um diese Änderung erträglicher zu machen, wurde vom Gesetzgeber ein Freibetrag in der Höhe von 100.000 Euro pro Person eingeführt. Das bedeutet für den Anleger, dass er Kursgewinne bis zu dieser Höhe auch nach 2017 steuerfrei vereinnahmen kann.

Welche Auswirkungen hat das neue Gesetz auf private Rentenversicherungen?

Bei Fonds innerhalb eines Versicherungsvertrages kommt es im Gegensatz zu Direktanlagen nur zu geringen Veränderungen. Zwar sind auch Investmentfonds in fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherungen steuerpflichtig, aber auf der Ebene des Anlegers kommt es während der Ansparphase zu keiner Besteuerung. Weiter zieht der Versicherungsnehmer bei einer Kapitalauszahlung ebenso einen Vorteil aus der zuvor erwähnten Teilfreistellung in der Höhe von 15%. Die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossenen Auszahlungen aus Altverträgen sind weiterhin von Steuern befreit. Zu den sogenannten „Gewinnern“ der Investmentsteuerreform gehören Riester- und Rürup-Verträge, da diese von den Änderungen der neuen Reform vollständig ausgenommen sind und eine Besteuerung auf Fondsebene nicht stattfindet.

Bei Fragen zu dem neuen Investmentsteuerreformgesetz stehen wir von Finanzring Ihnen gerne zur Verfügung.

 

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