Lebensversicherungen – Schmerzhafte Folgen der Nullzinspolitik

Die Lebensversicherungsbranche befindet sich in einer der größten Krisen seit ihrem Bestehen. Einst in Deutschland das Altersvorsorgeprodukt Nr. 1, erhalten die Versicherungsnehmer bereits seit Jahren schlechte Nachrichten. Nun wird ab Januar 2017 die Garantieverzinsung von 1,25 weiter auf 0,9 Prozent gesenkt, und schon kündigen 42 von 44 Unternehmen an, die bisher ihre Überschussbeteiligung veröffentlicht haben, die laufende Verzinsung zu senken.

„Das ist eine Katastrophe!“, kommentierte ein Vorstandsmitglied eines großen Lebensversicherungsunternehmens die Senkung des Leitzinses durch die EZB auf null Prozent im letzten Jahr. Doch was bedeutet dies für Sie als Versicherungsnehmer und die anderen 96 Millionen Lebensversicherungsverträge?

Bei konventionellen Lebensversicherungen fließt der Sparanteil, der 80 bis 90 Prozent des Gesamtbeitrages ausmacht, wegen regulatorischer Vorgaben zu über 80 Prozent in festverzinsliche Rentenpapiere. Der übrige Teil wird in Immobilien, Aktien, Beteiligungen und  andere Anlagen investiert. Da in den letzten Jahren nur circa vier Prozent in Aktien investiert wurde, konnten die Versicherungsgesellschaften zwischen 2009 bis 2016 auch nicht an der langfristig positiven Aktienmarktentwicklung teilnehmen.

Anlagestruktur konventioneller deutscher Lebensversicherungen (sog. Deckungsstock):

Quelle: GDV

Da die Rendite für Rentenpapiere durch die Niedrigzinsphase der letzten Jahre erheblich gefallen ist, sinken die Überschüsse der konventionellen Kapitaltarife weiter. Als Folge fallen die Vertragsleistungen bzw. Ablaufleistungen der Lebensversicherungen teilweise deutlich. Ein Beispiel für bekannte Rentenpapiere ist die 10-jährige Bundesanleihe, die erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik im Juni 2016 sogar negativ rentierte. Anleger müssen also dafür zahlen, dass sie ihr Geld dort anlegen. Darüber hinaus belasten hohe Verwaltungskosten, einbrechende Verkaufszahlen und hohe Zinszusatzreserven zur Finanzierung der garantierten Leistungen bestehender Verträge.

Es könnte sogar noch weitergehen, denn nach § 314 VAG (Versicherungsaufsichtsgesetz) kann ein Versicherungsunternehmen unter den dort aufgeführten Regelungen die Versicherungsleistungen und Gewinnverteilungen herabsetzen oder den Rückkauf oder die Beleihung des Versicherungsscheins sogar zeitweilig verbieten. Einen Umstand den viele Versicherungskunden gar nicht kennen.

Dass dies nicht weit hergeholt ist, zeigt ein Beispiel der Pensionskassen. Die Neue Leben verkündete als erste Pensionskasse am 31. Mai 2016, dass die vertraglich vereinbarte Garantieverzinsung von 3,25 auf 1,25 Prozent pro Jahr gesenkt wird. 10.000 Versorgungsberechtigte erhalten somit ab Januar 2017 bis zu 16 Prozent weniger lebenslange Altersrente.

Ein Teil der Kunden reagiert daher mit Kündigung Ihrer Verträge, um weiteren Verlusten entgehen zu können, und um in andere vermeintlich attraktivere Sparprodukte zu investieren. Jedoch muss von einer vorschnellen Kündigung eines bestehenden Lebensversicherungsvertrages grundsätzlich abgeraten werden. Vorab sollte die Rendite auf die verbleibende Restlaufzeit durch einen Fachmann berechnet werden. Liegt dann die berechnete Rendite unter der persönlichen Renditeerwartung des Kunden, ist abzuwägen, ob die Beitragsfreistellung des Vertrages nicht einer Kündigung vorzuziehen ist. Daher sollten Sie nicht vorschnell handeln, sondern lieber den Rat eines Spezialisten einholen.

Hierzu stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung und helfen Ihnen fachkompetent weiter.